Kapitel 01Was MVAS-99 überhaupt ist
MVAS steht für „Mindestanforderungen an die Verkehrssicherung von Arbeitsstellen an Straßen". Die Zahl 99 ist das Jahr der Erstausgabe — 1999. Inzwischen gibt's mehrere Aktualisierungen, aber der Name ist geblieben.
Praktisch ist MVAS-99 eine Qualifikation, kein Beruf. Wer den Lehrgang erfolgreich abschließt und die Prüfung besteht, darf eigenständig verkehrsrechtliche Anordnungen für Arbeitsstellen kürzerer Dauer beantragen und umsetzen. Im Tiefbau-Sprech: ihr dürft selbst zur Behörde gehen und sagen „Hier ist mein VZP, bitte genehmigen", ohne einen externen Verkehrssicherer einzuschalten.
MVAS-99 ersetzt nicht die Behördengenehmigung. Sie macht euch nur zum Antragsteller. Die Anordnung muss weiterhin die Stadt erteilen.
Kapitel 02Wer den Schein braucht
Drei Personengruppen profitieren konkret von einem MVAS-99 im Tiefbau-Sub-Geschäft:
- Bauleiter mit eigener Verantwortung für Trupps: Wenn ihr im Auftragsdurchlauf für die Verkehrssicherung verantwortlich seid, ohne einen externen Sicherer immer in der Schleife zu haben, ist MVAS-99 Pflicht. Anders geht's nicht.
- Geschäftsführende Gesellschafter kleiner Subs: Auch wenn ihr operativ wenig draußen seid — als Anordnungs-Verantwortlicher müsst ihr den Schein haben.
- Vorarbeiter mit Schichtverantwortung: Optional, aber empfehlenswert. Wenn ihr in der ersten Schicht da seid und der Bauleiter nicht: ihr seid plötzlich verantwortlich.
Wer den Schein nicht braucht: reine Maschinenführer, Asphalt-Trupp ohne Verkehrssicherungsfunktion, Büroangestellte.
Kapitel 03Welche Lehrgangsformen es gibt
Präsenz-Lehrgang (Standard)
16 Stunden, meist auf 2 Werktage verteilt, mit Theorie- und Praxis-Teil. Anbieter sind die BG BAU, TÜV, DEKRA sowie verschiedene private Anbieter (z.B. Sicherer-Schulen, die das als Zusatzgeschäft anbieten).
Hybrid-Lehrgang
8 Stunden Online-Theorie + 1 Tag Präsenz. Praktisch, weil die Online-Theorie abends machbar ist. Akzeptiert von allen großen deutschen Behörden — wir empfehlen das.
Reine Online-Schulung
Vorsicht: Es gibt Anbieter, die einen kompletten Online-MVAS-Schein anbieten. Diese Scheine werden in vielen Städten nicht anerkannt. Köln, München, Hamburg verlangen einen Präsenz-Anteil. Prüft vorher mit eurer Stadt!
Wer 380 € für einen Online-Komplett-MVAS spart, bezahlt es spätestens bei der ersten Eigenanordnung, die abgelehnt wird.
Kapitel 04Was der Lehrgang kostet
Marktübliche Preise für einen 2-tägigen Präsenz-Lehrgang inkl. Prüfung, Stand Mai 2026:
- BG BAU (für Mitgliedsbetriebe): 280 € — schwer Plätze zu bekommen, oft 4–6 Monate Warteliste.
- TÜV / DEKRA: 480–620 €. Termine deutlich besser verfügbar.
- Private Sicherer-Schulen: 380–480 €. Qualität sehr unterschiedlich — fragt nach Referenzen.
- Hybrid-Anbieter (z.B. Akademie Bau Online): 320–420 €. Beste Mischung aus Preis und Flexibilität.
Wichtig: in den Kosten sind nur Lehrgang + Prüfung. Verpflegung, Übernachtung, Anreise kommen extra, falls ihr in einer anderen Stadt seid.
Kapitel 05Inhalt & Prüfung
Der Lehrgang gliedert sich in vier Teile:
- Rechtliche Grundlagen (StVO, RSA 21, kommunale Sondervorschriften) — 4 Stunden
- Regelpläne im Detail (A-, B-, C-, D-Reihen, Auswahllogik) — 4 Stunden
- Schilder, Markierungen, Schutzeinrichtungen (technische Anforderungen) — 4 Stunden
- Behördenkommunikation & Praxis (Anordnungs-Antrag schreiben, Übergabeprotokoll, Übungs-VZPs zeichnen) — 4 Stunden
Die Prüfung besteht aus 30 Multiple-Choice-Fragen + einer Praxis-Aufgabe (VZP für eine vorgegebene Situation zeichnen). Mindestens 70 % korrekt = bestanden. Durchfallquote liegt bei ca. 8 %.
Kapitel 06Erste Eigenanordnung — der Realitäts-Check
Der häufigste Fehler nach dem Schein: Bauleiter wartet 3 Monate, traut sich nicht. Die Praxis ist viel einfacher als der Lehrgang glauben macht. Konkretes Vorgehen für die erste Eigenanordnung:
- Sucht euch eine einfache Situation: Tempo-30-Wohnstraße, Aufgrabung < 10 m, kein Knoten in der Nähe → B II/2 mit Standard-Schilderbestückung.
- Zeichnet den VZP entweder per CAD (LibreCAD reicht), per Sofortplan oder von Hand auf Karopapier — die ersten beiden Mal lieber etwas mehr Sorgfalt.
- Reicht den Antrag parallel zum gewohnten Sicherer-Antrag ein. So habt ihr einen Fallback, falls die Behörde Rückfragen hat.
- Wenn der eigene Antrag durchgeht (zu 95 % der Fall) → ab dem nächsten Auftrag voll auf eigene Anordnung umstellen.
Kapitel 07Haftung & Versicherung
Die Haftungsfrage ist die meistgestellte. Kurz: Wer als MVAS-99-qualifizierte Person die Anordnung verantwortet, haftet persönlich für Fehler in der Verkehrssicherung — aber nur im Rahmen der üblichen Berufshaftung.
Konkret bedeutet das:
- Eure Berufshaftpflicht-Versicherung deckt das Risiko grundsätzlich ab. Prüft beim Versicherer, ob Verkehrssicherungs-Funktionen explizit drin sind — bei manchen Standard-Policen ist das ausgeschlossen.
- Die Firma als Auftragnehmer haftet zusätzlich (mit-)gesamtschuldnerisch. Das Risiko liegt also nicht nur bei der Person.
- Strafrechtliche Konsequenzen kommen nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz in Betracht. Wer den Standard-Regelplan benutzt und sich an die Vorgaben hält, ist da auf der sicheren Seite.
Kapitel 08Verlängerung
MVAS-99 ist 5 Jahre gültig. Dann braucht ihr eine 8-stündige Auffrischung. Kosten: 180–280 €. Frist nicht verschlafen — abgelaufener Schein bedeutet sofortigen Verlust der Anordnungsberechtigung.
Kapitel 09Was ihr mit MVAS-99 NICHT dürft
Der Schein gibt euch nicht die Berechtigung für:
- Autobahnen & Bundesstraßen mit Tempo 100+: Hier braucht ihr zusätzliche MVAS-A-Qualifikation oder einen externen Sicherer.
- Dauerbaustellen länger 4 Wochen: D-Reihen-Regelpläne setzen MVAS-D voraus.
- Anordnungen für andere Firmen: Ihr dürft nur für die Firma anordnen, bei der ihr angestellt seid (oder als Geschäftsführer tätig).
MVAS-99 ist die mit Abstand beste Investition für jeden Tiefbau-Sub mit mehr als 10 HSAs pro Monat. Amortisiert sich nach ~ 3 Wochen.
Wenn ihr den Schein habt — und Sofortplan dazu — sind 90 % eures bisherigen Sicherer-Aufwands erledigt. Falls ihr mit den Lehrgangsanbietern unsicher seid: schreibt uns, wir empfehlen euch einen Anbieter in eurer Region.